Thomas, erzähl mal von Deinem Tag!

Heute wird Thomas euch einen kleinen Einblick über seine Zeit hier in Bweyale geben. Thomas war nicht auf Station oder im OP eingeteilt sondern hat den leitenden Arzt des Panyadoli Health Center Dr. Alex Paul Tezita auf Schritt und Tritt begleitet. Daher trägt Thomas jetzt auch einen neuen Spitznamen 🙂 aber lest selbst:

Seit zwei Wochen begleite ich den leitenden Arzt Dr. Alex auf seinen Wegen durch das Krankenhaus. Neben allen weiteren Aufgaben sieht er alle ambulanten Patienten, die seiner Visite bedürfen. Kein Patient wird abgewiesen und jeder wird an dem Tag gesehen, an dem er kommt. Daher endet für Dr. Alex mancher Tag auch erst nach 20.00 Uhr. 

Mittwochs ist OP Tag, an anderen Tagen ist Chefarztvisite auf den Stationen. Einmal in der Woche kommen alle zusammen und reflektieren, welche Herausforderung es in der letzten Woche gab, wie mit ihnen umgegangen wurde und was zukünftig ggf. verändert werden sollte.

Seit meinem ersten Tag begleite ich Alex auf Schritt und Tritt. Das ist sehr lehrreich, denn so erlebe ich wie er Patienten untersucht, berät und Therapien verordnet, meist ohne zusätzliche gerätegestütze Untersuchungen. Sehen, hören, riechen und fühlen. Selten wird ein Ultraschall gemacht und nur ein einziges Mal wurde ein Patient zum CT verwiesen. Ob er die 150€ für die Untersuchung bezahlen konnte, weiß ich jedoch nicht. 

Es passiert immer wieder, dass zwischen den Patienten Menschen vorbei kommen, die mit ihm über Qualitätsmanagement, Digitalisierung, die Durchführung einer neue Malariastudie oder Unterstützungsbedarfe von Hilfsorganisationen sprechen wollen. 
Es kommt wohl häufiger vor, dass Hilfsorganisationen Unterstützung anbieten und sich danach nicht mehr melden. Unsere „Medizinbrücke Uganda“ scheint hier eine positive Ausnahme zu sein. Während die großen NGOs wie Unicef oder das UNHCR wichtige Institutionen sind, die sowohl die Ernährungssicherheit sowie für eine ausreichende Medikamentenversorgung und Personal Sorge tragen, sollen 95% aller Medizingeräte, Betten und Hilfsmittel durch unsere jährlichen Hilfstransporte bereitgestellt worden sein. 
Die Abhängigkeit von diesen Organisationen zeigt sich aber auch darin, dass ab März sieben Hebammen nicht mehr beschäftigt werden können. 

Ich frage mich, was passiert, sollten wir nicht auch weiterhin so großzügig Sachspenden und das Geld für unsere Transporte gespendet bekommen. 
Danke dafür an alle Unterstützer:innen!

Da ich immer mit Alex unterwegs bin, werde ich liebevoll von ihm und seinen Kollegen „shadow of in charge“ genannt 🙃